Linus Torvalds gegen GNOME

In den vergangenen Wochen haben einige Mails von Linus Torvalds in der GNOME Mailinglist für Aufregung in der Linuxwelt gesorgt. [1] Deutscher Artikel. Linux steht eigentlich für die Freiheit zu wählen und das System vollkommen zu kontrollieren. Nicht ganz in diesem Geist steht Herr Torvalds Aussage. Jeder sollte selber die Wahl seines X-Windows Systems treffen. Jeder Benutzer hat andere Anforderungen. Leider muss ich aber in gewissem Mass der Aussage Recht geben. Für Neueinsteiger kann GNOME lästig sein, da nicht alle Funktionen wie bei KDE zur Verfügung gestellt werden. Jedoch hat auch KDE seine Schattenseiten. So sind Projekte wie z.B. Mono nur mit GNOME kompatibel.


[1] http://www.golem.de/0512/42163.html
ossi1967 - 8. Jan, 13:22

interface nazis

Ich muß einleitend eingestehen, daß ich Linus Torvalds nie besonders mochte. In diesem Fall hat er sich, denke ich, aber ziemlich daneben benommen. Ich persönlich würde eine Diskussion abbrechen, in der ich Wörtlich als interface nazi bezeichnet werde. Das muß nun wirklich nicht sein.

Auch in der Sache hat er unrecht. Gnome hat nun mal bestimmte Ziele beim UI-Design und sieht sich einer genau definierten Zielgruppe verpflichtet. Ich habe sehr lange Zeit an einer Telefon-Supporthotline gearbeitet und weiß, daß schon die Windows-Oberfläche 80% der User heillos überfordert. Das hat nichts damit zu tun, ob man diese User jetzt, wie Torvalds schreibt, für Idioten hält. Es ist einfach ein Faktum. Eine Benutzeroberfläche daher extrem simpel zu gestalten und auf das Notwendigste zu beschränken, halte ich für einen großen Fortschritt und einen Segen für all jene, die den PC im Büro als Arbeitsmittel benutzen (müssen) und nicht alle 2 Tage aus Spaß neue Funktionen ausprobieren wollen.

Genau da liegt nun Torvalds Problem: Er kann sich offenbar gar nicht mehr vorstellen, daß leute mit PCs lästige, alltägliche Bürotätigkeit erledigen und den Computer nicht als spannenden Experimentierbaukasten sehen. Diese Leute wollen nicht bei alltäglichen Aufgaben wie Speichern/Drucken/etc. 50 Möglichkeiten haben; das heißt nämlich auch: 50 Entscheidungen treffen müssen, die nur von der eigentlichen Arbeit (nämlich den Brief zu schreiben) ablenken.

Auch aus Supportsicht macht es bei dieser Zielgruppe Sinn, schlanke und einfache Dialoge ohne zu viele Optionen zu bauen: Kann der User nichts verstellen, reduziert sich der Supportaufwand.

Torvalds kann ja KDE verwenden. Wenns ihm lustig ist auch TWM, kein Mensch kümmert sich drum. Er soll nur aufhören, anderen Leuten in die Suppe zu spucken. Vor allem dann, wenn diese sich ganz offensichtlich wesentlich mehr Gedanken zu einem Thema gemacht haben als er.


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